Freiwilliges Jahr

Du findet hier Informatives zu den vielen Möglichkeiten und interessante Blogbeiträge von Jugendlichen, die nach der Schule ein Freiwilliges Jahr gemacht haben. Sie geben ihre Erfahrungen an dich weiter. Schreibe gern in den Kommentaren, wenn du etwas dazu wissen möchtest.

Nema Problema! Serbien

Mein freiwilliges halbes Jahr Auszeit

Mit einem überschwänglichen „DOBAR DAN!“ wurde ich im September 2018 am Flughafen in Belgrad von meinem serbischen Taxifahrer begrüßt, der mich zu dem Ort fuhr, der für die nächsten sechs Monate mein zu Hause sein würde. Über einen Schulfreund habe ich vom Freiwilligendienst der deutschen UNESCO-Kommission „kulturweit“ erfahren. Die Kommission finanziert weltoffenen jungen Leuten einen sechs bis zwölfmonatigen Auslandfreiwilligendienst und zusätzliche Seminare. Das war für mich ein überzeugendes Argument. Ich wusste bereits in meinem letzten Schuljahr vor dem Abitur, dass ich auf jeden Fall ins Ausland gehen wollte. Das Geld, um es aus eigener Tasche zu bezahlen, hätte ich aber nicht gehabt. Da ich mich aber schon immer gern freiwillig engagiert habe, war ein Freiwilligendienst im Ausland mit finanzieller Unterstützung die perfekte Chance für mich.

Nach einer schriftlichen Bewerbung und einem persönlichen Auswahlgespräch, bekam ich im April letzten Jahres das Angebot für einen halbjährigen Dienst in Serbien. Die erste Reaktion meiner Familie auf diese Nachricht war Schock und Skepsis, da niemand etwas über dieser Region der Welt wusste. Doch nachdem ich mich über das Land informiert habe, konnte ich sie von meinen Reiseplänen überzeugen und mich im September voller Motivation und Neugier auf den Weg machen.


Die zweitgrößte Stadt Serbiens trägt den Namen Novi Sad, auf Deutsch „Neusatz“. Novi Sad liegt im Norden des Landes, direkt an der Donau. Meine Arbeitsstelle sollte das Gymnasium Svetozar Markovi
sein. Jeden Morgen ging ich zu Fuß durch das idyllische Stadtzentrum, vorbei an vielen schönen Gebäuden im österreich-ungarischen Stil, bis zum Gymnasium, einem unscheinbaren, rosafarbenen Altbau. Ich wohnte in einer WG mit einer anderen Freiwilligen aus Deutschland. Von unserer Wohnung aus konnte ich alles Wichtige zu Fuß oder mit einer günstigen Taxifahrt erreichen.

 

Freiwilliges Jahr in Serbien

 

Allgemein kam mir das Leben in Serbien gegenüber dem in Deutschland sehr preiswert vor. Obwohl es schon eine ziemliche Umstellung war, plötzlich mit einem 1000 Dinar Schein im Supermarkt zu bezahlen. Ein Dinar ist dabei weniger als ein Cent. Überraschend war für mich außerdem wie häufig ich mich mit Serben auf Deutsch unterhalten konnte. Ein großer Teil der Bevölkerung im Norden Serbiens spricht Deutsch, da es viele Gastarbeiter gibt und auch viele junge Leute mit dem Ziel einer erfolgreichen Zukunft nach Deutschland oder Österreich gehen wollen. Deshalb war die Sprache keine Barriere beim Kennenlernen neuer Leute. Natürlich gab ich ebenfalls mein Bestes, Serbisch und die kyrillische Schrift, oder die oft schwierige Aussprache zu lernen und zu sprechen.


Fünf Tage pro Woche ging ich mittags in die Schule, um dort zusammen mit der für mich verantwortlichen Deutschlehrerin die 9. bis 12. Klassen zu unterrichten und um am Nachmittag meine eigene Deutsch-AG für besonders motivierte Schüler anzubieten. Dort habe ich versucht spielerisch und mit praktischen Übungen Deutsch als Sprache anwendbar zu machen und nicht nur die komplizierte deutsche Grammatik zu drillen. Abends bin ich dann entweder ins Fitnessstudio oder zum privaten Deutschunterricht für Studenten und Erwachsene bei meiner Lehrerin zu Hause im Wohnzimmer gegangen. Das war der perfekte Ort, um junge Erwachsene in meinem Alter kennenzulernen und sich zum Einkaufen oder Eislaufen zu verabreden. Durch die vielen Seminare, die kulturweit anbietet, habe ich ebenfalls viele Freunde kennengelernt. Diese habe ich dann z.B. am Wochenende oder während der Schulferien an ihren Einsatzorten besucht. Gleichzeitig konnte ich dabei neue Länder kennenlernen, in die ich sonst niemals gereist wäre. Dort habe ich beispielsweise neue kulinarische Spezialitäten gekostet und wunderschöne Schneelandschaften gesehen.


Vieles war mir jedoch oft sehr fremd, wie die ständige Spontanität und „Nema Problema“ als Antwort auf jedes Problem. Letztendlich bin ich aber froh in einer mir komplett unbekannten Kultur und Region gelebt zu haben, da ich sonst nie so viele innere Schweinehunde überwunden, nicht so viele großartige Menschen mit ihrer Lebensweise kennengelernt, und kein so großes Selbstbewusstsein für mein bevorstehendes Studium in Deutschland aufgebaut hätte. Ich habe gelernt mit weniger Vorurteilen an eine Sache ranzugehen und mich mit Problemen offen auseinanderzusetzen, auch wenn sie mir anfangs Angst machen.


Für mich ist klargeworden, dass der Balkan für immer ein Stück zu Hause für mich sein wird und dass es okay ist, wenn nicht immer alles nach Plan läuft. Manchmal ist es einfach besser sich blind auf etwas Neues einzulassen – es einfach geschehen zu lassen. Und wenn mal etwas schiefgeht: Nema Problema!

 Johanna

 

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